
Wir freuen uns sehr die Künstlerinnen Faina Yunusova und Philippa Jochim 2026 in Willingshausen begrüßen zu dürfen. 2025 waren Rebekka Seubert, Ellen Wagner und Konstantin Lannert eingeladen die Jurysitzung als externe Juror:innen zu begleiten. Die Wahl fiel auf Faina Yunusova und Philippa Jochim.
Faina Yunusova arbeitet mit monumentalen Malereien, Fotografie, Video, digitaler Kunst, künstlicher Intelligenz, Performance und Installation. Yunusovas Kunst ist stark von ihrer Kindheit in Usbekistan und den Orten geprägt, an denen sie gelebt hat. In fotografischen Arbeiten inszeniert sie Symbole der westlichen Konsumgesellschaft als verschwommene Reliquien aus einer anderen Zeit („Hush Crash“). Blaues Pigment, das einst über die Seidenstraße den vorderasiatischen mit dem europäischen Raum ästhetisch verband, greift sie als Symbol für die Kommerzialisierung kulturellen Erbes auf (Hype Machine). In ihrer künstlerischen Praxis konzentriert sich Yunusova auf Selbstreflexion und untersucht Themen wie Erinnerung und gesellschaftliche Erwartungen im digitalen Zeitalter.
In Willingshausen plant sie, sich mit den kulturellen Konnotationen von Vorgärtendekorationen auseinanderzusetzen. Faina Yunusova hat an der Stroganow-Kunstakademie in Moskau und der Hochschule für Gestaltung in Offenbach studiert und absolviert aktuell ihren Master in Bildender Kunst an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in La Monnaie Paris, der Kunsthalle Bremen, im Centro de Investigação Artística HANGAR in Lissabon, in der Cité internationale des Arts Paris und im Frankfurter Kunstverein ausgestellt. Sie war Teil des Programms des usbekischen Pavillons auf der Biennale Arte in Venedig (2022) und nahm an verschiedenen Vorträgen und Workshops teil, unter anderem im Museum of Modern Art Grand Duc Jean in Luxemburg (2023).
Philippa Jochims künstlerische Praxis verfolgt einen recherchebasierten, aktionistisch-partizipativen Ansatz. Sie untersucht mit interdisziplinären Teams landschaftliche und politische Verhältnisse, verknüpft (botanische) Mikrogeschichten mit Fragen der Erinnerung, (politischer) Landschaft und Gemeinschaft. So setzte sie sich etwa mit den Panzersperren und dem Mythos der Wehrhaftigkeit der Schweiz auseinander („Moos wird gewachsen sein“). In der gemeinschaftlichen Arbeit „coming together“ thematisierte sie Sammeln als feministische Praxis und bereitete den Besucher:innen aus essbaren Pflanzen eine Mahlzeit. Für die Arbeit „Schotter sortieren“ verbrachte sie einige Tage auf einer Brache des Wiener Westbahnhofs damit, den Ort analytisch aufzunehmen und daraus eine Mindmap als Grundlage einer Performance zu erstellen. Inspiriert von Ludwig Knaus’ Gemälde Ein Mädchen auf dem Feld widmet sie sich in Willingshausen der Präsenz, dem Fortbestehen und der gegenwärtigen Nutzung von Allmenden – gemeinschaftlich genutzten Flächen wie Wiesen, Wegen sowie Sport- und Spielplätzen.
Philippa Jochim hat an der Burg Giebichenstein in Halle und der Universität für Angewandte Kunst Wien studiert, sie ist Mitherausgeberin des queerfeministischen Megazins ERROR*INES und arbeitet als Workshopgeberin bei Radikale Töchter, wo sie die Methoden der Aktionskunst vermittelt. Sie arbeitet im Kernteam des Buchkinder Kassel e.V. – Werkstatt für Visuelles Forschen und Erzählen und lehrte zu Themen wie Bilder Emanzipatorischer Ländlichkeiten und Kunst und Aktivismus an der Universität Kassel und der Hochschule Luzern.
Text: Marina Rüdiger