STAR THAT CARRIES YOUR NAMEGašper Kunšič22.11.21.12.2025

Vernissage 22. Nov 16 Uhr
Kinderprogramm 23. Nov 13 Uhr
Finissage 21. Dez 15 Uhr

Gašper Kunšič gibt mit seiner Ausstellung „Star that carries your name“ dem Innenraum der Kunsthalle Willingshausen die Außenansicht einer Fachwerkfassade, durch die man hindurchzusehen scheint. Denn die Gefache sind lila, wie die dunkle Nacht, in der die Sterne sichtbar werden. Der Schlager „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ besingt diese Sterne und inspirierte den Ausstellungstitel. Nicht nur die romantische Geste wird hier thematisiert, sondern auch das Motiv der Verwandlung in einen Stern nach dem Tod. 

In die Gefache seines Fachwerks setzt Gašper Kunšič kleine Gemälde. Sie fordern die Betrachter:innen auf nahe an sie heranzutreten und vermitteln so ein hohes Maß an Intimität. Ein Brief, eine Hand und ein Torso sind auf den kleinformatigen Gemälden zu erkennen. Kleine runde Bilder, die Tondi, zeigen Sterne.

Bei den kleinformatigen Bildern an Ikonen zu denken ist naheliegend, wenn man sich den Prozess ihrer Entstehung vor Augen führt. In der orthodoxen Tradition ist die Ikone mehr als ein Bild. Sie gilt als „Fenster zum Himmel“ – eine sichtbare Präsenz des Unsichtbaren. Der Ikonenmaler, der sie herstellt, ist kein freier Künstler sondern Diener des Heiligen. Er betet bei seiner Arbeit, bei der jeder Schritt vom Schleifen der Oberfläche bis zum letzten Goldauftrag symbolische Bedeutung hat. Dies führt jedoch nicht dazu, dass sich der Geist in der Ikone materialisiert. Denn Ikonen enthalten den Heiligen nicht, wie ein Gefäß seinen Inhalt, sondern verweisen auf ihn, wie ein Fenster auf das Licht hinter dem Glas.

Gašper Kunšič produziert queere Ikonen. Bei seinem versunkenen konzentrierten Produktionsprozess, bei dem die Wahl der Farben eine große Rolle spielt, laufen Schlager, queere Hymnen, die er mitsummt. Lange waren die Grundfarben seiner Arbeit rot, blau und weiß, wie sie sich auch in den Flaggen der panslawischen Staaten finden. Heute sind diese Farben zu unterschiedlichen Nuancen von Violett vereint. Es sind die Erkennungsfarben der queeren Community, mit denen er einen Raum öffnet für Menschen mit vielfältigen Identitäten und Lebensentwürfen. Seine Ikonen sind Fenster zu einem Nachthimmel, unter dem die Regeln des Tages außer Kraft gesetzt sind. Er ruft damit eine Heimat aus, die nicht an einen Ort gebunden ist und nicht mit den politischen Grenzen endet, die diesem Ort einen Namen geben. Denn Heimat ist dort, wo man sich zuhause fühlt, unter Freund:innen und Weggefährt:innen.

Gašper Kunšič ist 1992 in Slowenien geboren. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und hat an der Städelschule in Frankfurt sowie an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Städel Museum in Frankfurt, im Belvedere 21 in Wien, im Schiller-Museum in Weimar, in der Kunsthalle Recklinghausen, in der Škuc Gallery in Ljubljana, im UGM in Maribor sowie auf der Mediterranea Biennale in Nova Gorica/Gorizia gezeigt.

Gašper Kunšič
STAR THAT CARRIES YOUR NAME

With his exhibition Star that carries your name, Gašper Kunšič gives the interior of the Kunsthalle Willingshausen the outward appearance of a half-timbered façade, through which one seems to look. The spaces between the timbers are violet, like the dark night in which the stars become visible. The German pop song Ein Stern, der deinen Namen trägt (“A star that bears your name”) celebrates these stars and inspired the exhibition’s title. Not only the romantic gesture is addressed here, but also the idea of transformation into a star after death.

Within the compartments of his timber framework, Gašper Kunšič places small paintings. They invite viewers to come close, creating a sense of intimacy. A letter, a hand, and a torso can be discerned in the small-format paintings. Small round images, the tondi, depict stars.

It is natural to think of icons when looking at these small-scale images and considering their process of creation. In Orthodox tradition, an icon is more than a picture: it is regarded as a “window to heaven” – a visible presence of the invisible. The icon painter is not a free artist but a servant of the sacred. He prays while he works, and every step, from sanding the surface to the final application of gold, carries symbolic meaning. Yet this does not mean that the spirit materializes within the icon. Icons do not contain the saint as a vessel holds its contents; rather, they refer to the saint, as a window refers to the light behind the glass.

Gašper Kunšič creates queer icons. During his absorbed, concentrated working process – in which the choice of colors plays a major role – he listens to and hums along with pop songs and queer anthems. For a long time, the primary colors of his work were red, blue, and white, as found in the flags of the pan-Slavic states. Today, these colors have merged into various shades of violet – the color of recognition within the queer community. With these tones, he opens a space for people with diverse identities and ways of life. His icons are windows onto a night sky under which the rules of the day are suspended. He thus evokes a sense of home that is not tied to a specific place and that extends beyond the political borders giving that place its name. For home is where one feels at home – among friends and companions.

Gašper Kunšič was born in Slovenia in 1992. He lives and works in Frankfurt am Main and studied at the Städelschule in Frankfurt as well as at the Academy of Fine Arts in Vienna. His works have been shown at the Städel Museum in Frankfurt, Belvedere 21 in Vienna, the Schiller Museum in Weimar, Kunsthalle Recklinghausen, Škuc Gallery in Ljubljana, UGM in Maribor, and at the Mediterranea Biennale in Nova Gorica/Gorizia.

Text: Marina Rüdiger